Remonstrieren

Remonstrieren, aber wie?!

I. Voraussetzungen

Voraussetzung ist, berechtigter Weise mit der Korrektur nicht einverstanden zu sein.
 Eine Korrektur kann aus verschiedenen Gründen fehlerhaft sein.

Grundsätzlich gilt:

  1. rechtliche Fehleinschätzung des Korrekturassistenten/Korrektors, 

  2. inhaltliche Fehleinschätzungen/fehlende Berücksichtigung der 
Ausführungen, 

  3. ein Ungleichgewicht zwischen vergebener Note und deren 
Rechtfertigung. 


II. Form

In der Regel besteht eine Frist von einer Woche!!

Die Remonstration hat schriftlich zu ergehen. Die Länge sollte bei 1-3 Seiten liegen. Abgegeben werden sollte diese dann am entsprechenden Lehrstuhl. Wenn ihr wisst wer eure Arbeit korrigiert hat, adressiert den entsprechenden Korrektor in eurem Schreiben, ansonsten den Prof welcher die Arbeit gestellt hat.

Ein bestimmter Ton des Schreibens ist durchaus erlaubt, aber es gilt natürlich: Immer höflich bleiben.

III. Einleitung

Die Remonstration beginnt mit der Feststellung, dass die Korrektur sachlich unrichtig und deshalb die Benotung ungerechtfertigt ist.

Beispiel:

Sehr geehrte/r Frau/ Herr Prof. Dr. Muster, sehr geehrter Korrektor XY,

hiermit möchte ich die korrigierte Fassung meiner Hausarbeit im XXX Recht zurückreichen und bitte um erneute Korrektur. Ich halte die Bewertung für sachlich ungerechtfertigt und nicht genügend begründet. Daher empfinde ich die Note der Arbeit als zu niedrig.

IV. Hauptteil

Hier legt ihr die Gründe der Nachkorrektur dar.
Es folgt also eine strukturierte und kommentierte Analyse der unzutreffenden Bemerkungen des Korrektors. Je mehr Beanstandungen man direkt an Aussagen des Korrektors festmachen kann, desto größer sind Erfolgsaussichten.

1. Kurz das vom Korrektor bemängelte Problem darstellen.
Im nächsten Satz sollte der Einwand des Korrektors kurz und begründet entkräftet werden. 


2. Hilfreich ist hier der Verweis auf Literatur, etc. Nur weil es nicht in der Lösungsskizze steht oder ein anderer Aufbau gewählt wurde, ist dies nicht falsch. Dabei kann man auf z. B. auf Literatur verweisen.
(Vieles ist letztlich Geschmackssache). Der Korrektor sollte den vom Studenten aufgezeigten Lösungsweg mitgehen und auf dessen Richtigkeit prüfen, auch wenn dieser vom abweicht von der Lösungsskizze.

Anzeigen kann man somit grundsätzlich:

  1. als "nicht vertretbar" dargestellte, diskutable Ergebnisse 

  2. unzutreffende Einwände gegen die Argumentation 

  3. nicht zutreffende Einwände gegen Inhalte, insbesondere angeblich 
fehlende Darstellungen 

  4. unzutreffende Einwände gegen Ansätze 

  5. unzutreffende Einwände gegen den Aufbau 


Auch formelle Korrekturfehler kann man bemängeln.
Schlängellinien oder Bemerkungen wie "nur i.E. vertretbar" können eine Bewertung nicht tragen.

Mängel müssen grundsätzlich als solche gekennzeichnet werden.
Schwieriger ist es, fehlende Übereinstimmung von Wort- und Punkturteil zu kritisieren.
Jedenfalls kann der Korrektor nicht weniger Punkte vergeben, weil er eure Argumentation nicht für überzeugend hält wenn der die Mindermeinung welche ihr vertretet nicht teilt.

Die Rechtsprechung, dass Bewertungen von Prüfungsleistungen eine inhaltliche Diskrepanz zwischen vergebener Note und deren Rechtfertigung durch die Verwaltungsgerichte nicht überprüft werden kann, ist veraltet. Eine vertretbare und folgerichtig begründete Lösung darf nicht als falsch angesehen und schlechter bewertet werden.[1]

Sollte ein Korrektor auf Formfehler abstellen, ist auch hier darauf zu achten ob eine gewisse Form explizit gefordert wurde:

1. Genaue Schriftart/größe festgelegt

2. Bestimmte Seitenränder

V. Schluss

Letztendlich sollte man um eine Abänderung der Note bitten. Man kann durchaus zum Ausdruck bringen in welche Richtung die Neubeurteilung gehen soll, ein konkreter Notenvorschlag sollte jedoch nicht unterbreitet werden.

Beispiel:

Angesichts meiner obigen Argumentation bitte ich Sie höflichst, die festgelegte Note nochmals zu überdenken und meine Arbeit einer erneuten Prüfung zu unterziehen.

 

[1] BVerfGE 84, 34 (55); Maurer, Allgemeines Verwaltungsrecht, II. Auflage, 1997, § 7 Rn. 43, S. 137